Skip to main content

Kostengünstiger Wohnungsbau – Konzepte für Mensch und Architektur

Wohnraum nimmt bei der Bautätigkeit in Deutschland einen hohen Stellenwert ein. Und seit Jahren wird wieder mehr gebaut. Dennoch: um den Bedarf von jährlich über 350.000 Wohnungen zu decken, müssten noch viel mehr Wohnbauten entstehen.

Personen auf dem Gruppenfoto (v.l.n.r.): Hans Drexler, Christian Roth, Christian Schlüter, Alexander Schürt, Marta Trede (Porcelanosa), Dietmar Walberg, Michael Lauer (ALHO Systembau), Stefan Forster, Tim Westphal | Fotografie Schepp

Vor allem im geförderten Wohnungsbau fehlt ausreichender Wohnraum. Dabei gibt es zukunftsfähige Lösungsansätze für diese Bauaufgaben, wie die Referenten der DETAIL Research Veranstaltung »Kostengünstiger Wohnungsbau« am 24. Oktober in Frankfurt verdeutlichten. DETAIL organisiert die Runden seit vielen Jahren in Kooperation mit der Zukunft Bau Forschungsförderung des BBSR und mit dem BMI. Die Initiative Mauerwerk war als Unterstützer dabei.

Alexander Schürt, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung BBSR in Bonn, machte deutlich, dass der Geschosswohnungsbau in den vergangenen Jahren weiter zugelegt hat. Parallel ist der Anteil der Ein- und Zweifamilienhäuser am Gesamtbauaufkommen spürbar gesunken. Zurückzuführen ist dies auf die massiv gestiegenen Baugrund- und Erstellungskosten. Unter anderem der Fachkräftemangel und gestiegene Rohstoffpreise führten zu massiven Teuerungen, die im Vergleich zum Jahr 2000 bei bis zu 70 % liegen. Städte und Gemeinden reagieren darauf mit individuellen Lösungen wie der sozialgerechten Bodennutzung (SOBON) oder dem Konzeptionellen Mietwohnungsbau (KMB), so Alexander Schürt.

Dietmar Walberg, Geschäftsführer Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V. aus Kiel untermauerte die Zahlen seines Vorredners und machte deutlich: in Ballungszentren wie Hamburg ist in wenigen Jahren kein geförderter Mietwohnungsbau mehr möglich. Vor allem hohe Grundstücks- und Erstellungskosten treiben innerstädtische Mieten weiter in die Höhe. Er regte an, die Baustandards zu überdenken und das Bauen so günstiger zu machen. Auch eine Vereinfachung unserer Gesetze, Baunormen und Richtlinien kann Abhilfe schaffen. Hinzu kommt eine höhere Flexibilität der Gebäudekonstruktionen durch individuelle Vorfertigung.

Prof. Christian Schlüter, ACMS Architekten GmbH aus Wuppertal, erläuterte: Der Anteil der Baunebenkosten beim Bauen liegt bei nur 20 %. Das größte Kosteneinspar-Potenzial liegt in der Baukonstruktion und den Bauprozessen selbst. Hier lässt sich mit individueller Vorfertigung, minimierten Werkstoffeinsatz und hoher Nachhaltigkeit durch flexible Grundrisse viel erreichen.

Hans Drexler, DGJ Architektur GmbH aus Frankfurt am Main, zeigte in seinem Vortrag eindrücklich, dass die individuelle Nachfrage den Fortschritt vorantreibt. Damit ist jedoch häufig eine Maximierung im Ressourceneinsatz bei minimal größerem Nutzen die Folge. Der sog. »Rebound Effekt« gilt für alle Wirtschaftsbereiche – und ebenso fürs Bauen: von 1960 durchschnittlich 19 qm Wohnfläche/Person ist die Größe bis 2015 auf durchschnittlich 47,1 qm/Person gewachsen. Die Rückbesinnung auf das Notwendige an Individualfläche und die Suffizienzfrage in der Architektur muss daher ernsthaft gestellt werden.

Christian Roth, Zanderroth Architekten aus Berlin, setzte sich mit der Entwicklung des kostengünstigen Wohnungsbaus über die vergangenen 20 Jahre auseinander. Sein Büro ist seit der Gründung von Zanderroth im Jahr 1999 stark im Wohnungsbau verankert. Für ihn sind die massiv gestiegenen Grundstückspreise der vorrangige Preistreiber. Denn die Kosten für Bauleistungen sind, bis auf geringe Standortzuschläge, überall in der Bundesrepublik die gleichen. Für sein Büro gilt ebenso wie für alle Referenten des Tages: hochwertige Architektur trotz steigender Baukosten muss weiterhin möglich sein. Zanderroth Architekten setzen daher darauf, ihre Gebäude so »robust« zu machen, dass weitere Einsparungen obsolet sind. Roth: „Bauqualität lässt sich durch mehr vermietbare Fläche und gute Wohnungsschnitte erhalten und so leichter bei den Bauherren durchsetzen.“