Bauproduktenrichtlinie, Leistungserklärung und CE-Kennzeichnung / Anwendungs- und Restnormen

Im Rahmen der Europäischen Harmonisierung war es als vorrangiges Ziel angesehen worden, zunächst den freien Handel von Waren zwischen den Mitgliedsstaaten der EU zu erleichtern und zu regeln. Für den Bereich der Bauprodukte hat die Europäische Kommission zusammen mit dem Europäischen Parlament – neben anderen Regelungsbereichen – zu diesem Zweck 1988 die so genannte „Bauproduktenrichtlinie“ (BPR) erlassen. Die offizielle Bezeichnung lautet: „RICHTLINIE DES RATES vom 21. Dezember 1988 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über Bauprodukte, (89/106/EWG)“. In nationales Recht ist die BPR 1992 durch Verabschiedung des „Bauproduktengesetzes“ (BPG) umgesetzt worden und hat damit rechtsverbindliche Wirkung in Deutschland. Das BPG sieht den Nachweis der Übereinstimmung der Produkte mit der BPR und zugehörigen „Technischen Spezifikationen“ (i. d. R. Normen) durch das „CE-Zeichen“ vor.

Durch Veröffentlichung vom 4.4.2011 im Amtsblatt der Europäischen Union L 88/5 wurde die Bauproduktenrichtlinie aufgehoben und durch die Bauproduktenverordnung (BauPVO) ersetzt. Die genaue Bezeichnung lautet: VERORDNUNG (EU) Nr. 305/2011 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 9. März 2011 zur Festlegung harmonisierter Bedingungen für die Vermarktung von Bauprodukten und zur Aufhebung der Richtlinie 89/106/EWG des Rates.

Die Harmonisierung bezieht und beschränkt sich auf Grundanforderungen – früher in der Bauproduktenrichtlinie als wesentliche Anforderungen bezeichnet. Die Anzahl der Anforderungen hat sich von sechs auf sieben erhöht. Produkte, die den Grundanforderungen entsprechen, dürfen in Verkehr gebracht werden. Anstelle einer Konformitätserklärung in der Bauproduktenrichtlinie ist in der BauPVO nun eine Leistungserklärung (engl.: Declaration of Performance, DoP) eingeführt. Darin sind detaillierte Angaben zu wesentlichen Eigenschaften des Produkts zu machen.

Für Mauersteine sollen die für die Baupraxis wichtigen Kennwerte wie:

  • Steinart und Steinsorte (Format und Lochbild)
  • Druckfestigkeitsklasse
  • Rohdichte
  • Wärmeleitfähigkeit

aufgeführt sein. Die Leistungserklärung ist bei jedem Verkauf und Weiterverkauf mitzuliefern. Dazu kommen bei REACH-Produkten jeweils noch Sicherheitsinformationen (z.B. Sicherheitsdatenblatt).

Bei der CE-Kennzeichnung gibt es nur geringfügige Änderungen. Beispiele für Angaben der CEKennzeichnung sind in den europäischen Produktnormen DIN EN 771-1 bis -4 Anhang ZA enthalten.

Ausschließlich CE-gekennzeichnete Mauersteine können in Deutschland nur in Verbindung mit speziellen Anwendungsregeln (Anwendungsnormen) zur Verwendung kommen, die das Bindeglied zwischen europäischer Produktnorm und nationalen Bemessungsnormen darstellen.

Mauersteine, die den Anwendungsnormen DIN 20000-401 sowie DIN V 20000-402 bis -404 entsprechen, sind in ihren bauaufsichtlich maßgebenden Eigenschaften vergleichbar mit den Normsteinen der bisherigen Normenreihe DIN 105, DIN 106, DIN 4165 sowie DIN 18151 bis DIN 18153. Die nachfolgenden Anwendungsnormen für Mauersteine wurden bereits über die Beuth Verlag GmbH des DIN veröffentlicht:

  • DIN 20000-401:(2012-11), Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken – Teil 401: Regeln für die Verwendung von Mauerziegeln nach DIN EN 771-1; Gegenüber DIN V 20000- 401:2005-06 wurden folgende Änderungen vorgenommen: a) Inhalt wurde sachlich und redaktionell neueren Erkenntnissen angepasst; b) Vornorm wurde in eine Norm überführt; c) Regelung für Langlochziegel für tragendes Mauerwerk wurden ergänzt; d) Regelungen für Wärmedämmziegel (Lochungsart WDz) wurden gestrichen.
  • DIN V 20000-402: (2005-06), Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken – Teil 402: Regeln für die Verwendung von Kalksandsteinen nach DIN EN 771-2
  • DIN V 20000-403: (2005-06), Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken – Teil 403: Regeln für die Verwendung von Mauersteinen aus Beton nach DIN EN 771-3
  • DIN V 20000-404: (2005-06), Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken – Teil 404: Regeln für die Verwendung von Porenbetonsteinen nach DIN EN 771-4

Die Anwendungsnormen richten sich an Handel, Planer und Bauherren. Sie geben an, wie die deklarierten Werte aus der CE-Kennzeichnung in Bemessungswerte umgerechnet werden und in Bezug auf die technischen Regeln für die Planung, Bemessung und Konstruktion von baulichen Anlagen und ihren Teilen zu verwenden sind.

Um Produkte wie gewohnt vermarkten und deren Verwendbarkeit national auch weiter zusichern zu können, hat die deutsche Mauersteinindustrie Wert auf so genannte Restnormen gelegt. Jegliche zusätzliche Aufwendungen für den Verwender, z.B. das Umrechnen von deklarierten Werten gemäß CE-Kennzeichnung auf geltende nationale Bemessungswerte, können entfallen, wenn nach Restnormen gekennzeichnete Mauersteinprodukte eingesetzt werden.

Das betrifft folgende Restnormen, die die Beuth Verlag GmbH im Oktober 2005 veröffentlicht hat:

  • DIN V 105-100: (2012-01), Mauerziegel – Teil 100: Mauerziegel mit besonderen Eigenschaften.
  • DIN V 106: (2005-10), Kalksandsteine mit besonderen Eigenschaften.
  • DIN V 4165-100: (2005-10), Porenbetonsteine – Teil 100: Porenbetonsteine mit besonderen Eigenschaften.
  • DIN V 18151-100: (2005-10), Hohlblöcke aus Leichtbeton – Teil 100: Hohlblöcke aus Leichtbeton mit besonderen Eigenschaften.
  • DIN V 18152-100: (2005-10), Vollsteine und Vollblöcke aus Leichtbeton – Teil 100: Vollsteine und Vollblöcke aus Leichtbeton mit besonderen Eigenschaften.
  • DIN V 18153-100: (2005-10), Mauersteine aus Beton – Teil 100: Mauersteine aus Beton mit besonderen Eigenschaften.

Durch die freiwillige Zusicherung bewährter Produktqualitäten von Mauersteinen nach DIN-Restnorm wird die Kompatibilität mit den nationalen Bemessungsnormen auch weiterhin gewährleistet.

Weitere Details dazu finden Sie im DGfM-Flyer zur CE-Kennzeichnung von Mauersteinen unter www.dgfm.de.

Grundanforderungen an Bauwerke

  1. Mechanische Festigkeit
  2. Brandschutz
  3. Hygiene, Gesundheit, Umweltschutz (neu auch: Klimaschutz, Lebenszyklusansatz)
  4. Sicherheit und Barrierefreiheit bei der Nutzung (neu auch: Security/Einbruchsicherheit)
  5. Schallschutz
  6. Energieeinsparung und Wärmeschutz (neu auch: während Aufbau und Rückbau)
  7. Nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen
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