27.06.19 / Kategorie: Wohnungsbaupolitik, Top News

„Mauerwerk bestätigt Marktführerschaft“

Interview mit Matthias Günther, Pestel Institut, zu den Ergebnissen des Baubarometers 2018

Matthias Günther ist Diplom-Ökonom und Vorstand des ISP Eduard Pestel Instituts für Systemforschung e. V. (Foto: Pestel Institut)

Herr Günther, das Pestel Institut hat die Baufertigstellungszahlen für das Jahr 2018 ausgewertet. Was sind die zentralen Erkenntnisse?

Matthias Günther: Bei insgesamt deutlich gesteigertem Wohnungsbau hält das Mauerwerk seit 2013, gemessen am hergestellten umbauten Raum, einen stabilen Marktanteil von 72 bis 73 Prozent. Dabei liegt der Marktanteil beim Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern rund zwei Prozentpunkte über, beim Geschosswohnungsbau zwei Prozent unter dem Durchschnittswert. Regionale Marktanteilseinbußen in Süddeutschland wurden durch Gewinne vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ausgeglichen. In der Summe war Mauerwerk auch 2018 wieder der führende Baustoff im Wohnungsbau.

Wie erklären Sie die teilweise starken regionalen Unterschiede bei Bauweisen und Baustoffen?

Matthias Günther: Viele Unterschiede sind sicher traditionell entstanden und dürften ihre Ursachen auch in der ungleichen Verteilung von Rohstoffvorkommen haben. In Norddeutschland hat das Mauerwerk Marktanteile von deutlich über 80 Prozent, während im waldreicheren Baden-Württemberg „nur“ 56 Prozent der Wohnungen mit Mauerwerk gebaut wurden. Ohne Tonvorkommen gibt es keine Ziegel und der mit Bimszuschlägen hergestellte Leichtbetonstein ist an die entsprechenden regionalen Vorkommen gebunden und wird deshalb vor allem in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen eingesetzt. Da zeigen sich gerade auch beim Mauerwerk deutliche regionale Unterschiede zwischen den eingesetzten Steinarten.

Welche Vorteile bietet die Mauerwerksbauweise?

Matthias Günther: Als Ökonom schaue ich natürlich zuerst auf die Kosten. Und hier waren die mit Mauerwerk gebauten Wohnungen auch im Jahr 2018 mit durchschnittlich 300 € je m³ umbautem Raum um gut 8 Prozent bzw. 5 Prozent preiswerter als in Holz oder Stahlbeton ausgeführte Wohnungsbauten.


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